Avignon im Juli
Im Juli zeigt sich das Theater an den Mauern Avignons, während Schauspieler und Publikum im Rhythmus der Vorstellungen durch die Straßen ziehen.
Die Plakate des Festival Off bedecken die Mauern von Avignon
In der Rue des Lices verschwindet das Gitter der ehemaligen Aumône Générale unter den Plakaten. Titel, Uhrzeiten, Gesichter und Namen der Theater bilden ein umfangreiches, kurzlebiges Programm. Die Straße wird ebenso gelesen wie durchquert und ist erfüllt von Farben und Informationen.
Diese Fülle entsteht durch das Festival Off. Jedes Ensemble muss seine Aufführung inmitten einer Vielzahl von Angeboten bekannt machen. Die Plakate werden zur ersten Schwelle des Theaters: Sie kündigen Stücke, Spielorte und Uhrzeiten an und versuchen zugleich, die Blicke der Passanten auf sich zu ziehen.
Die große Parade des Festival Off kündigt die Eröffnung an
Die Werbung für die Stücke beschränkt sich nicht auf die Fassaden. Die Ensembles ziehen durch die Straßen der Altstadt, verteilen Handzettel und halten ihre Schilder in die Höhe. Am Tag vor der Eröffnung des Festival Off vereint die Parade sie zu einem langen Zug aus Kostümen und Musik. Die Fahrbahn wird dabei zur Bühne, während sich das Publikum an den Seiten drängt.
Das aus unabhängigen Initiativen entstandene Festival Off lebt von dieser direkten Begegnung mit dem Publikum. Auf der Straße können ein hochgehaltenes Schild und wenige gewechselte Sätze den Weg zu einer Vorstellung weisen.
Warteschlangen und Terrassen bestimmen den Rhythmus der Altstadt
Vor Beginn der Vorstellungen wird das Warten sichtbar. Vor den Theatern ziehen sich die Schlangen bis auf die Straße. Manche Besucher lesen erneut im Programm, wählen die nächste Aufführung oder tauschen Empfehlungen aus. Die Dichte der Fußgänger und die aufeinanderfolgenden Warteschlangen verändern die alltäglichen Wege: Die Altstadt mit dem Fahrrad zu durchqueren wird schwierig. Einige Wochen lang teilen die Einwohner Avignons ihre Stadt mit den Festivalbesuchern.
Die Plätze der Innenstadt werden zu Stationen zwischen zwei Aufführungen. Die Terrassen füllen sich, während andere Besucher zu den benachbarten Spielstätten gehen. Gespräche lassen eine Vorstellung nachklingen oder bereiten die nächste vor.
Von den Carmes zu den Célestins: zwei Seiten des Festivals
Auf der Place des Carmes erinnert die Fassade des Théâtre des Carmes André-Benedetto an die Entstehung des Off. Im Juli 1966 zeigte André Benedetto hier Statues, außerhalb des von Jean Vilar geleiteten Programms. Die Initiative eröffnete einen anderen Weg: Bereits in den folgenden Jahren vervielfachten sich die unabhängigen Aufführungen rund um das Festival d’Avignon.
Wenige Straßen weiter bietet der Kreuzgang der Célestins einen ganz anderen Rahmen. Von der Place des Corps-Saints gelangt das Publikum des Festival d’Avignon zu dieser Freilichtbühne. Vom Eingang aus ist nur ein Teil der hinter den Mauern eingerichteten Anlage zu erkennen.
Das Festival d’Avignon stellt sein Programm mit eingeladenen Künstlern zusammen, während das Festival Off Avignon Theater und Ensembles vereint, die ihre Aufführungen unabhängig präsentieren.
Für das Publikum verbinden sich beide Veranstaltungen zu einem gemeinsamen Erlebnis des Avignoner Julis. Es wechselt von einem kleinen Saal des Off zu einem Spielort des Festival d’Avignon, reserviert einen Platz in der Cour d’honneur oder wählt am Abend eine Aufführung, deren Ensemble ihm auf der Straße begegnet ist.
Der Papstpalast und seine Cour d’honneur, der emblematische Spielort des Festivals
Vor den Abendvorstellungen bildet sich auf der Place du Palais ein Kreis um einen Straßenkünstler. Andere Passanten gehen zu den Toren des Palastes, steigen zum Garten des Rocher des Doms hinauf, gehen zur Brücke Saint-Bénézet hinunter oder überqueren einfach den Platz. Im Hintergrund verleiht die Fassade des Papstpalastes der improvisierten Bühne einen monumentalen Rahmen.
Hinter den Toren des Palastes gelangt das Publikum zum Gründungsort des Festival d’Avignon. Im September 1947 zeigte Jean Vilar in der Cour d’honneur Shakespeares Die Tragödie von König Richard II., eine der drei Inszenierungen der Semaine d’Art en Avignon. Seitdem ist der Ehrenhof das Bild, das am engsten mit dem Festival verbunden bleibt.
Die Cour d’honneur wird zu einer vorübergehenden Freilichtbühne. Das Festival errichtet dort eine Bühne, Tribünen und die für die Inszenierungen erforderlichen Kulissen; die Mauern des Palastes bilden den Rahmen der Aufführungen.
In der Rue des Teinturiers dauert das Theater bis in die Nacht
Vom Morgen bis spät in die Nacht bestimmen die Vorstellungszeiten das Leben in der Rue des Teinturiers. Plakate bedecken die Fassaden, Passanten umgehen die Schlangen vor den Theatern und die Terrassen bleiben auch nach den Aufführungen besetzt. Unter den Platanen setzt die Straße das Theater lange nach dem Verlassen der Säle fort.
Es gibt keinen festgelegten Weg, das Festival zu erleben. Ein in einer Straße entdecktes Plakat, eine auf der Terrasse ausgetauschte Empfehlung oder ein zufällig gefundenes Theater können die Wahl der nächsten Vorstellung bestimmen. So gestaltet jeder seine Tage zwischen Straßen und Spielstätten.
Ein mehrtägiger Aufenthalt in Avignon oder seiner Umgebung ermöglicht den Besuch verschiedener Aufführungen, wobei die Altstadt zum täglichen Treffpunkt wird.
Unsere Auswahl
Gästehäuser rund um Avignon für einen Aufenthalt während des Festivals
Unser Portal bevorzugt direkte Links zu den Websites der Gastgeber. Vergleichen Sie Lage und Atmosphäre und nehmen Sie anschließend Kontakt mit dem Gästehaus auf, das am besten zu Ihrem Aufenthalt rund um Avignon passt.