Ausflug nach L’Isle-sur-la-Sorgue
Die Wasserräder, industrielles Erbe von L’Isle-sur-la-Sorgue
Vierzehn moosbewachsene Wasserräder drehen sich noch heute an den Kanälen der Altstadt. Von der Strömung der Sorgue angetrieben, machten sie L’Isle-sur-la-Sorgue zu einer von Manufakturen geprägten Stadt.
Die Sorgue als Antriebskraft der Manufakturen
Die lokale Überlieferung berichtet von der Ansiedlung einer Fischergemeinschaft in dieser vom Wasser durchzogenen Ebene. Seit dem Mittelalter wurden Wolltuche aus den Monts de Vaucluse in von der Sorgue angetriebenen Walkmühlen gewalkt und zugerichtet. Die Räder trieben außerdem Getreidemühlen, Papiermühlen, Seidenspinnereien, Sägewerke und verschiedene Werkstätten an. Ende des 19. Jahrhunderts arbeiteten mehrere hundert Menschen in den Fabriken der Stadt.
Mit dem industriellen Aufschwung des 19. Jahrhunderts vervielfachte sich die Zahl der Wasserräder. Zwischen 1810 und 1880 gab es an den Kanälen von L’Isle-sur-la-Sorgue bis zu 62 Räder, davon allein siebzehn am Canal de l’Arquet.
In der Rue des Roues: das Erbe der Industriestadt
Der Canal de l’Arquet durchquert die Altstadt und verläuft entlang der Rue Théophile-Jean, die bis heute Rue des Roues genannt wird. Wie dicht das frühere Antriebssystem war, lässt sich hier besonders gut erkennen: Vor den Mühlen und Fabriken folgte ein Rad auf das nächste, über Transmissionswellen mit den Maschinen verbunden. Einige Räder hoben zudem Wasser für den häuslichen Gebrauch oder die Bewässerung der Gärten.
Mitte des 20. Jahrhunderts schlossen die Fabriken nach und nach. Elektrizität und moderne Produktionsverfahren verdrängten die direkte mechanische Übertragung der Strömungskraft; zugleich modernisierten die Betriebe der Stadt ihre Anlagen nur zögerlich.
Die vierzehn erhaltenen Räder übertragen ihre Bewegung nicht mehr auf Maschinen, doch die Sorgue treibt sie weiterhin an. Kalkablagerungen und Moos verdicken ihre Speichen; sobald die Schaufeln aus dem Kanal auftauchen, rinnt das Wasser in gleichmäßigen Fäden von ihnen ab. Die regelmäßige Pflege bewahrt sowohl ein technisches Kulturerbe als auch einen vertrauten Bestandteil des Stadtbildes.
Den Wasserrädern durch die Altstadt folgen
Der Weg führt von engen Kanälen zu breiteren Ufern, vorbei an niedrigen Brücken, Gärten und Häuserfassaden direkt am Wasser. Seit Ende der 1960er-Jahre wandte sich die Stadt den Märkten, dem Antiquitätenhandel und den Galerien zu. Die Antiquitätenmessen zu Ostern und im August führen diese Handelsgeschichte fort, während der Sonntagsmarkt die Straßen und Plätze der Altstadt füllt.
Abseits der belebten Markttage sind die Uferpromenaden frei, und der Blick folgt dem Verlauf der Kanäle. Das klare Wasser fließt rasch. Man hört sein Murmeln und sieht die Schaufeln der Räder hinter einer niedrigen Mauer oder einem Vorhang aus Bäumen aufsteigen. Die Räder sind sehr unterschiedlich: eine weit gespannte Metallkonstruktion über dem Kanal, ein fast unter Moos verborgenes Rad oder ein einzelner Mechanismus an einem öffentlichen Garten.
Den Ausflug im Pays des Sorgues fortsetzen
Von L’Isle-sur-la-Sorgue aus kann man dem Fluss bis nach Fontaine-de-Vaucluse folgen, wo die Ruinen des Bischofsschlosses über dem Ort liegen. Rund um die Stadt lässt sich die Reise in Saumane-de-Vaucluse, Le Thor und Velleron fortsetzen, entlang von Kanälen und durch Landschaften, die von den Armen der Sorgue geprägt sind.
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