Ausflug nach Vaison-la-Romaine
Vaison-la-Romaine, von der römischen Brücke zur antiken Stadt
Text und Fotografien von Vincent Flachaire
In Vaison-la-Romaine führt die Brücke über die Ouvèze zu den Geschäften und Plätzen der Unterstadt. Ganz in der Nähe lassen sich in Puymin und La Villasse die Straßen und Häuser des antiken Vasio entdecken, ebenso das Theater und die Sammlungen des Museums.
Die römische Brücke über die Ouvèze
Die Brücke überquert die Ouvèze dort, wo sich der Fluss zwischen zwei Kalkfelswänden verengt. Sie wurde im 1. Jahrhundert n. Chr. errichtet und ruht unmittelbar auf dem Fels. Ihr einziger Bogen lässt das Wasser ohne einen Mittelpfeiler hindurchfließen. Vom Quai Paul-Gontard aus können Sie das Gewölbe und seine großen Steinblöcke betrachten und anschließend von der Brüstung auf den Fluss hinabblicken.
Hochwasser und Krieg: die Brücke hält stand
Die Hochwasser von 1616 und vom 22. September 1992 überfluteten die Brücke. Die Flut von 1992 verwüstete die Stadt und forderte zahlreiche Menschenleben. Der Bogen hielt stand, doch das Bauwerk musste im Laufe seiner Geschichte mehrfach repariert werden.
1944 versuchte die deutsche Armee, die Brücke zu sprengen. Die Explosion beschädigte die Fahrbahn und einige Keilsteine, aus denen das Gewölbe besteht, ohne den Bogen zum Einsturz zu bringen. Die Einwohner stellten daraufhin mit Eisenbahnschwellen und Erde einen provisorischen Übergang her.
Die Grand’Rue und die Place Montfort
Auf der Seite der Unterstadt führt die Grand’Rue von der Brücke hinauf zu den Geschäften und zur Place Montfort. Unter den Platanen liegen die Caféterrassen rund um den Brunnen. Am Dienstagvormittag füllen Marktstände die Straßen des Zentrums.
Die heutige Stadt überdeckt einen großen Teil des antiken Vasio. Die Überreste liegen zwischen Häusern und Straßen: In wenigen Minuten gelangt man von einem Geschäftsplatz in ein ausgegrabenes Viertel. Die Stationen der Unterstadt lassen sich zu Fuß verbinden, mit Zeit für Besichtigungen und Pausen.
Vasio, die Stadt der Vocontier
Die Stadt der Vocontier, bekannt unter dem Namen Vasio Julia Vocontiorum, erstreckte sich über etwa 70 Hektar, vor allem am rechten Ufer der Ouvèze. Ihre Blütezeit lag zwischen dem Ende des 1. und dem Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. Die Viertel Puymin und La Villasse erschließen heute einen Teil dieser Stadt: Straßen, Häuser, Handelsräume, Thermen und öffentliche Bauten.
Die ab 1907 von dem Kanoniker Joseph Sautel geleiteten Ausgrabungen machten diese Überreste weit über die Region hinaus bekannt. 1924 nahm Vaison offiziell den Namen Vaison-la-Romaine an.
La Villasse, Läden und große Stadthäuser
In La Villasse verläuft eine gepflasterte Straße entlang der Überreste von Läden und einer Kolonnade, die einst einen überdachten Gang säumte. Die Schwellen der Geschäfte öffnen sich zu dieser Straße. Weiter hinten gruppieren sich die Wohnhäuser um Gärten, Empfangsräume und Bäder.
Das Haus mit dem Delfin war ursprünglich ein ländliches Wohnhaus mit landwirtschaftlichen Nebengebäuden. Durch wiederholte Erweiterungen wurde daraus ein Stadthaus von etwa 2.700 m². Seinen Namen verdankt es einer hier gefundenen Skulptur: einem kleinen Amor auf einem Delfin. Ein Rohr im Maul des Tieres verrät seine Funktion: Die Skulptur speiste einen Brunnen.
Puymin, die Häuser von Vasio
Auf dem Hügel von Puymin liegen die Überreste zwischen den Bäumen. Das Haus des lorbeerbekränzten Apollon und das Haus mit der Laube gehören zu den großen Wohnhäusern des Viertels. Neben ihren Höfen und Säulengängen finden sich Wirtschaftsräume und Handwerksbereiche.
Küchen und Bäder geben ebenso Aufschluss über das Leben in diesen Häusern wie die Räume, in denen Besucher empfangen wurden. Informationstafeln und Rekonstruktionen helfen, zwischen den erhaltenen niedrigen Mauern und Böden die Funktion der Räume zu erkennen.
Das römische Theater
Das Theater liegt am Hang des Hügels von Puymin. Auf seinen Rängen fanden mehrere Tausend Zuschauer Platz. Die Reihen folgen der Rundung des Geländes um die Spielfläche. Die hohe Mauer, die einst die Bühne abschloss, ist verschwunden und gibt den Blick über das Theater hinaus frei.
Anfang des 20. Jahrhunderts freigelegt und später restauriert, dient das Bauwerk weiterhin für Aufführungen, etwa bei Vaison Danses und den Choralies. Je nach Kulturprogramm können Sie also am Abend einer Vorstellung auf die Ränge zurückkehren.
Das Museum Théo Desplans
Das archäologische Museum liegt auf dem Gelände von Puymin. Marmorstatuen, Mosaiken und Dekorationselemente werden neben Geschirr, Schmuck, Werkzeugen und Toilettenutensilien gezeigt. Geschirr und Körperpflegeutensilien erzählen vom Alltag, während die Mosaiken einen Teil der Ausstattung der Häuser wiedergeben.
Die Kaiserstatuen, darunter jene von Hadrian und Sabina, erinnern auch an die Präsenz der römischen Macht in der Stadt. Die Sammlungen behandeln Kulte und Bestattungsbräuche ebenso wie das häusliche Leben. Die Gegenstände und Dekorationen ergänzen so die Besichtigung der Gebäude im Freien.
Notre-Dame-de-Nazareth und ihr Kreuzgang
Nahe La Villasse zeugen die Kathedrale Notre-Dame-de-Nazareth und ihr Kreuzgang von der Entwicklung der Stadt im Mittelalter. Die Bevölkerung hatte sich um die ersten christlichen Bauten dieses Viertels angesiedelt. Die romanische Anlage gehört zur Bischofsstadt, die am rechten Ufer entstand, bevor die Oberstadt an Bedeutung gewann.
Beim Bau der Kathedrale wurden antike Materialien wiederverwendet, insbesondere am Sockel des Chorhaupts. Im Kreuzgang umgeben vier Galerien mit skulptierten Kapitellen den Garten, abseits der Geschäftsstraßen.
Ausflüge rund um Vaison
Von den Uferstraßen aus zeigt sich die Oberstadt auf ihrem Felsen jenseits der Ouvèze. Mittelalterliche Konflikte zwischen dem Bischof und den Grafen von Toulouse begünstigten die Ansiedlung der Einwohner auf dieser Höhe. Über die Brücke erreichen Sie die Gassen für einen weiteren Spaziergang als Ergänzung zu den römischen Stätten.
Für weitere Ausflüge rund um Vaison bieten sich die Dörfer Crestet und Séguret, die Weinberge der Dentelles de Montmirail und der Mont Ventoux an. Nach Norden öffnet sich von Vaison aus auch die Drôme provençale, insbesondere mit Nyons. In Orange lässt sich mit dem römischen Triumphbogen die Entdeckung der antiken Provence fortsetzen. Im Sommer lassen sich die Lavendelfelder der Baronnies entlang der Talstraßen entdecken.
Praktische Informationen
Vaison-la-Romaine besuchen
- Empfohlene Dauer
- Ein halber Tag für die Brücke und die Unterstadt; mit beiden antiken Stätten, Theater und Museum eher ein ganzer Tag. Für die Oberstadt zusätzliche Zeit einplanen.
- Anfahrt und Parken
- Die Unterstadt lässt sich zu Fuß erkunden. Wählen Sie anhand des Stadtplans einen Parkplatz; der Dienstagsmarkt verändert die Parksituation im Zentrum.
- Antike Stätten und Museum
- Gemeinsame kostenpflichtige Eintrittskarte für Puymin, La Villasse und das Museum. Prüfen Sie saisonale Öffnungszeiten, Schließungen und Führungen auf der offiziellen Website.
- Besuchsbedingungen
- Unebene Böden, Steigungen und Treppen: Gute Schuhe, Wasser und Sonnenschutz sind empfehlenswert.
- Les Choralies
- Alle drei Jahre bietet dieses Chorfestival Konzerte, unter anderem im römischen Theater. Termine, Programm und Karteninformationen finden Sie auf der offiziellen Website der Choralies.
Den Aufenthalt verlängern
Gästehäuser rund um Vaison-la-Romaine und den Mont Ventoux
Bei einem Aufenthalt rund um Vaison bleibt Zeit für die antiken Stätten, die Unterstadt und die Dörfer am Mont Ventoux. Besuchen Sie direkt die Websites der Eigentümer, um Ihren Aufenthalt zu planen.
Diese Unterkünfte im Portal liegen im Umkreis von 25 km Luftlinie vom vorgestellten Ausflugsziel. Besuchen Sie ihre Websites, um Ihren Aufenthalt zu planen.
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